Christoph Skutella

SKUTELLA: Digitalisierung im Stall – mehr Tierwohl für die Kuh

"Die Digitalisierung eröffnet uns in der artgerechten Nutztierhaltung neue Chancen. Digitale Anwendungen sollen zum einen den Landwirten die Arbeit erleichtern, andererseits können wir durch digitales Tiergesundheitsmonitoring das Tierwohl verbessern. Mit 1,1 Mio. Milchkühen, die von etwa 30.500 landwirtschaftlichen Betrieben gehalten werden, ist die Milcherzeugung eine wichtige Säule der bayerischen Agrarwirtschaft.

In der Milchviehhaltung gibt es bereits zahlreiche Möglichkeiten, digitale Anwendungen einzusetzen. Mit Hilfe von Sensortechnik können Gesundheitsdaten gesammelt, kontrolliert und analysiert werden. So ist auch eine frühzeitige Erkennung von Krankheiten möglich.

Mit sogenannten intelligenten Ohrmarken oder Pansenboli können Parameter des Einzeltieres (Aufenthaltsort, Temperatur, Bewegungsaktivität, Häufigkeit der Wasser- und Futteraufnahme) digital erfasst werden, um damit z. B. den optimalen Besamungszeitpunkt zu bestimmen, Trächtigkeit und Geburt zu überwachen und frühzeitig Krankheiten zu erkennen. Diese Daten der Einzeltiere in der Herde können dann in einer Herdenmanagement-Software zusammengeführt werden.

Laut der Studie „Digitalisierung in Land- und Ernährungswirtschaft“, die 2017 im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft erstellt wurde, ermöglicht die Digitalisierung eine Versachlichung der Diskussion um Tierwohl, da sich nach Meinung der Autoren die Chance bieten würde, durch z. B. Sensortechnik auf Fakten basierende Aussagen über die Tiergesundheit einer Milchviehherde treffen zu können, unabhängig von der Größe des Stalls oder Betriebs.

Die Studie besagt auch, dass sich für die bayerische Landwirtschaft vor allem kleinteilige digitale Anwendungen eignen würden, die den Strukturen und Ressourcen der überwiegend kleinen landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern Rechnung tragen. Dazu zählen unter anderem digitale Lösungen im Bereich Betriebsmanagement und „Precision Livestock Farming“. Jedoch sei die Digitalisierung von Prozessen nur sinnvoll, wenn es möglich ist, Daten mit geringem Aufwand zu vereinen und be- bzw. auswerten zu können. Dabei müssten technische Schnittstellen und Zugriffsrechte auf integrierte Daten zur Tierhaltung geklärt werden, die zu einem staatlich anerkannten Tierwohlmonitoring beitragen können.

Eine wichtige Voraussetzung für die digitale Transformation in der Landwirtschaft ist natürlich eine leistungsfähige digitale Infrastruktur im ländlichen Raum, sowohl im Breitband- als auch im Mobilfunknetz."